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Aus der Breitenbendener Kapellengeschichte

von Albert Velser, Vussem

Das bisher Veröffentlichte zur Breitenbendener Kapelle (siehe Pfarrbrief 5. Ausgabe 1978) wurde soweit ersichtlich, der Schulchronik entnommen. Demnach begann man mit dem Kapellenbau am 07.10.1871 und am 21.08.1877 erfolgte die Einweihung unter großer Beteiligung der Bevölkerung. Bei einem Besuch des bischöflichen Archivs in Aachen erhielt ich Einsicht in eine Breitenbendener Kapellenakte, die sich nur über das Jahr 1873 erstreckt. Somit befasst sich der vorliegende Beitrag mit dem damals zur Kapelle erfolgten Schriftverkehr. Da in dem Zusammenhang auch eine Frau Gertrud Thönnes geb. Schröder wohnhaft in Düren bzw. Kerpen-Buir eine große Rolle spielte, war es auch mein Anliegen diese Person zu identifizieren. Mittels der Kapellenakte und auch der Schulchronik konnte dies bislang nicht vorgenommen werden.

Im Januar des Jahres 1873 war der Kapellenbau schon so weit fortgeschritten, dass man sich bereits Gedanken zu deren Einsegnung machte. Die Witwe Gertrud Thönnes geb. Schröder, wohnhaft in Kerpen/Buir bzw. Düren, hatte den Kapellenbau mit ihren finanziellen Mitteln ermöglicht. In einem Schreiben, das der Vikar Voishem aus Buir und der Pfarrer Engels aus Holzheim (Breitenbenden gehörte damals zur Pfarrei Holzheim) an das erzbischöfliche Generalvikariat in Köln richteten, bat die Wohltäterin um eine Reliquie für die Kapelle. Im Besonderen wünschte sie eine Reliquie des Hl. Leonardus.

Spätestens mit diesem Schreiben wird der Kapellenbau bei der geistlichen Behörde in Köln bekannt. Dem vom Holzheimer Pfarrer Engels beigefügten Situationsbericht ist zu entnehmen, dass der Bau unter der Führung des ehemaligen Ortsvorstehers und Kirchenmeisters Johann Steffens und seines Sohnes, dem Schulvorsteher Arnold Steffens (beide von der Mühle Breitenbenden), ohne Absprache mit der geistlichen Behörde in Köln erfolgte. „Wohl aber hätte man den Plan welcher nach dem Vorbild der Kapelle zu Voissel Pfarrei Bleibuir angefertigt wurde, der königlichen Regierung in Aachen unterstellt".

Nun kann man sich vorstellen, dass die kirchliche Behörde in Köln zunächst Offenlegung zum Kapellenbau verlangte. So galt es, baldigst die Eigentumsverhältnisse der Kapelle zu klären. Hier verlangte man in Köln, dass diese zum Eigentum der Pfarrgemeinde St. Lambertus Holzheim übergeht. Nicht so einfach war dies mit dem Grund und Boden der Kapelle, denn der gehörte zum Teil Johann Adam Keil, dem Juden Baruch und der Familie Steffens von der Breitenbendener Mühle. Die Liegenschaft der Mühle war aber mit einer Hypothek belastet. Des Weiteren erfolgte eine Aufstellung zu den letzten Arbeiten sowie deren Kosten, um die Kapelle auch würdevoll zu gestalten. Dieser Rechnungsbetrag belief sich auf 400 M. Hier wurde nochmals die Frau Thönnes gebeten, auch diese Restsumme zu übernehmen. Mit einem Brief vom 23.05.1873 an den Pfarrer Engels in Holzheim reagierte sie hierauf wie folgt:

„Hochwürdigster Pfarrer!

Für die Sorge und Mühe die sich Eur. Hochwürden um den Kapellenbau zu Breitenbenden schon gegeben haben und noch geben, vorab meinen herzlichen Dank. In Ihrem Schreiben vom 18. des Monats teilen Sie mir mit welche Mittel noch fehlen um die Kapelle bei der Firmreise des Erzbischofs als fertig anbieten und einweihen zu lassen. Die Summe von 400 Thalern, die Sie als letzten Beitrag beanspruchen sind mir doch zu stark. Mein Vorhaben schon vor mehr als 40 Jahren gefaßt, meinem Heimatort zu einer Kapelle zu verhelfen, glaube ich erfüllt zu haben, da die 500 M welche ich (1865) zum Schulhausbau hergegeben, völlig hingereicht hätten, das Gotteshaus fertig zustellen. Wie ich verpflichtet bin, Gott und meinen Geschwister in Allem zu genügen, so habe ich aber auch Pflichten gegen arme Anverwandte deren Gebet und Segen ich gerne mit mir hinüber


 nehmen möchte. Mein Kapital darf ich nicht angreifen, die Zinsen mögen guten Zwecken und meiner Nothdurft dienen. Vorab aber bitte ich den Herrn Steffens zu mir im nächsten Monat, wo ich ihm 200 Thaler übergeben werde. Mit diesem Beitrage wird dann wohl das Notwendigste hergestellt werden, um die Kapelle einweihen zu lassen. Erlauben es meine Kräfte und Mittel so werde ich später dann noch einmal beispringen. Anlangend das Bild so werde ich bei der Überkunft des Herrn Steffens mit diesem Rücksprache nehmen, und werde sicher Ihrer Anweisung nachkommen. Nur möchte ich lieber das Bild des Hl. Leonard in Stein herstellen lassen. Das Ihrem Wunsch gemäß das Gotteshaus dem Herrn Erzbischof zum Gebrauch der römisch katholischen Christen von Breitenbenden übergeben werde ist, mein letzter Wille und will ich seiner Zeit den richtigen Schenkungsakt.. ..siren. (Wort nicht ganz lesbar) Es ist mir allerdings nicht lieb, daß der Bau irgendwelche Stockungen erleide, aber der Spruch vom Dome zu Köln wird auch wohl auf die Kapelle Anwendung finden. Sollte nicht unter den verschiedenen Altersklassen und Ständen sofern von Letzteren in Breitenbenden die Rede sein kann, irgendwelche Einigungen zu erzielen sein, um - der Eine dieß der Andere das - anschaffen zu können? Das ist meine unmaßgebliche Meinung.

Mit vorzüglicher Hochachtung Frau Thönnes (Der Brief wurde im Auftrag von einem ihr bekannten Lehrer geschrieben)

Bevor die Kapellenakte, aus welchen Gründen auch immer, im Dezember 1873 endet ist ihr aber

noch zu entnehmen, dass ein überholungsbedürftiger Altar von der Mechernicher Kirchenfabrik

angeschafft wurde.

Weiterhin wollte Frau Gertrud Thönnes noch ein Bild des Hl. Leonardus anfertigen lassen. Später

spricht sie wie hier im Brief erwähnt, von einer Skulptur aus Stein. Inwieweit es hierzu gekommen

ist, lässt sich nicht beantworten. Der in Breitenbenden seit nahezu 70 Jahren tätigen Küsterin Frau

Elisabeth Hubertine Fuchs ist von einem Bild bzw. Steinskulptur nichts bekannt. Sie verwies aber

auf eine heute noch in der Kapelle befindliche Holzfigur des Hl. Leonardus.

Über die Gründe warum bis zur Einsegnung noch 3½ Jahre vergingen, kann nur spekuliert

werden.

Anmerkungen zur Person der Wohltäterin Gertrud Thönnes geb. Schröder

Sie wurde am 25.12.1801 in Breitenbenden geboren.

Ihre Eltern sind Jakob Schröder und die Elisabeth Lückerath.

Zum Zeitpunkt ihrer Heirat am 13.01.1842 (sie war die 2. Ehefrau des Heinrich Thönnes) lebte sie als Hauswirtin in Düren.

Ihr Ehemann Heinrich Thönnes war von Beruf Kaufmann und in Kerpen-Buir ansässig.

Die Eheleute wohnten in Buir, wo der Ehemann sein Geschäft betrieb und 1860 im Alter von 80 Jahren verstarb.

Gertrud Thönnes geb. Schröder verzog hiernach wieder nach Düren, wo sie am 11.12.1879 verstrab.

Den Kapellenheiligen wählte sie vermutlich in Erinnerung an ihren Bruder Leonard, der wohl auch in Düren ansässig war und dort aber schon früher verstorben ist. Bei der Kapelleneinsegnung wurde sie von einem Dürener Bürger vertreten.

 

Quellen:

Kapellenakte im bischöflichen Archiv in Aachen

Breitenbendener Schulchronik

Stadtarchiv Düren, hier ergeht mein besonderer Dank an Frau Rosmarie Plücken aus Kreuzau

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