Heimat & Geschichtsverein

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von Albert Velser, Vussem

Laut einer Verfügung ist in den Gemeinden (Bürgermeistereien) des Regierungsbezirkes Aachen eine Chronik anzulegen. In diesem Buch soll am Ende eines jeden Jahres in einfacher und gleichförmiger Art alles aufgezeichnet werden, was sich an Bemerkenswertem  zugetragen hat.
Die 1825 angelegte und bis 1847 geführte Chronik berichtet aus der  Bürgermeisterei Vussem. Hierzu zählten die Dörfer Bergheim, Breitenbenden, Harzheim, Holzheim, Lorbach, Mechernich, Roggendorf, Strempt und Vussem.
Die Chronik wurde vom damaligen Bürgermeister Franz Josef Schmitz von der Burg Heistart in Holzheim angelegt. Er beginnt mit einem kleinen Rückblick und beschreibt die Zugehörigkeit der einzelnen Orte vor der französischen Besitznahme. Weiter erwähnt der Schreiber, dass König Friedrich Wilhelm II. von Preußen die Provinz am Rhein 1815 in Besitz genommen hat. Die Bürgermeisterei Vussem  im Reg. Bez. Aachen wurde dem Großherzogtum Niederrhein zugeteilt und ist 1816 dem  landratlichen Kreis Gemünd zugefallen. Ferner gehört die Bürgermeisterei in Kirchensachen zum Bistum Köln, in Justizsachen zum königlichen Friedensgericht Gemünd und zum Landgericht Aachen, in militärischer Hinsicht zum 25. Aachener Landwehrregiment.
Des Weiteren stellt der Schreiber auch die damaligen Kommunalbeamten, also die Gemeinderatsvertreter der einzelnen Orte vor. Es sind dies namentlich:

Bürgermeister Franz Schmitz, Gutsbesitzer zu Heistart,
Beigeordneter Bürgermeister Matthias Werner Sistig, Eigentümer zu Holzheim,
Johann Lessenich, Ackerer zu Breitenbenden,
Daniel Schmelzer, Erzofficiant und
Theodor Schumacher, Ackerer zu Mechernich,
Wilhelm Jung, Gewerbetreiber zu Roggendorf,
Philipp Axer, Ackerer zu Strempt,
Johann Steffens, Ackerer zu Lorbach,
Ludwig Briesgen, Ackerer zu Bergheim,
Josef Müller, Ackerer zu Vussem,
Heinrich Heimersheim, Ackerer zu Harzheim
und Jakob Hilger, Schreiner zu Holzheim.


1823
„Am 21. Januar wurde auf dem Kallmutherberg am Bleiberg der Bergmann Michel Wielspütz aus Vussem während er bemüht war eine durch Lettenklüfte abgesonderte und durch mehrere Schüsse gelöste Wand vollends herein zuschlagen, durch den plötzlichen Einsturz dermaßen beschädigt, daß er aller ärztlichen Hülfe ungeachtet am 27. des Monats starb.
Am 20. August Morgens halb neun Uhr zündete der Blitz die den Erben Carl Henseler zu Vussem zugehörigen Wohnung im Dorfe Harzheim an und legte die abgelegene Wohnung „lese und schreibe“ die abgelegene Stallung größtenteils in Asche. Aus der Brandkasse zu Düsseldorf erfolgte dafür eine Entschädigung von 78 Thaler und 22 Silbergroschen.
In der Nacht vom 13. auf den 14. August starkes Gewitter mit Hagel begleitet. Die noch auf dem Halm stehenden Früchte, erleiden Beschädigung.
Es fand eine Zwillingsgeburt statt.
Der im vorigen Jahr ohne zuthun der Verwaltung unternommene massive Schulbau in der Gemeinde Mechernich wird in diesem Jahr vollendet. Die durch freiwillige Beiträge von der Pfarrgemeinde bestrittenen Gesammtkosten außer den von ihr geleisteten Natural „als  Hand und Spanndienste“ können 2000 Thaler übersteigen“.
Die Kataster Vermessung der Oberfläche dieser Bürgermeisterei begann in diesem Frühjahr. Für einen durch den Gutsbesitzer Franz Schmitz zu Heistart vergifteten alten Wolf, wurde demselben eine Prämie von 10 Thaler zu Theil.
In den benachbarten Kreisen Rheinbach und Lechenich tritt Mangel in Folge des vorjährigem (??) Fraßes ein. Scharen von Einsaßen (Bewohner) der dortigen Gegend suchen Unterstützung an Brodkorn, Kartoffeln und Futterkräuter aller Art.
Am 22. Dezember wurde Joseph Müller von Vussem, welcher als Mitglied der Armenverwaltung durch das Los ausgeschieden war, in seiner Funktion wieder bestätigt.

1824
 „An Stelle des ausgeschiedenen Friederich Brasselmann zu Roggendorf, wird der dortige Gewerbetreibender Wilhelm Jung vom 11. December an , als Mitglied des Gemeinderaths ernannt.  Am 16. Januar erlitt der Bergmann Anton Hoffmann von Strempt, in dem Schachte Biesterfeld Conssesion Meinartzhagen während er gebückt an dem Beutelbottich stand, bedeutende Verletzungen durch einen losgegangene Schale des Dachgesteines. In Folge der erlittenen Quetschungen am Rücken starb der selbe 27 Std. nach dem Vorfall.  Achtzehn Brandleitern und ebensoviel Haken zum Gebrauch beim Löschen wurden aus Communal Mitteln beschafft und verursachten einen Kostenaufwand von 72 Thaler u. 6 Silbergroschen. Im Juni erkrankten im Dorfe Vussem vor und nach mehrere Einwohner an einem bösartigen Fieber, Typhus genannt. Fünf starben und achtzehn genesen durch die thätige Hülfe des Armenarztes Dr. Rheindorf  aus Münstereifel. Diese Seuche grassierte während vier Monaten. Von der Königlichen Regierung wurde zur Pflege der erkrankten, unvermögenden Einsaßen 20 und 30, zusammen 50 Thaler Unterstützung angewießen.
Die Katasterabschätzung beginnt unter der Leitung des Kontroleurs Boos und Corneli; die Klaßirung durch den Kontroleur Allard und Commißär Nelles.  
In der Nacht vom 14. auf den 15. July heftiger Sturmwind der viel Schaden an Dächer und Gebäulichkeiten verursachte.
Für die siebente Knabengeburt wird den Eheleuten Peter Vith und Anna Maria Schmitz zu Strempt das königl. Pathengeschenk von 100 Thaler zu Theil.
Häufiger Wassermangel stellte sich im Frühjahr ein, die Brunnen waren meistens trocken und der Bedarf für Menschen und Vieh mußte von Quellen und Bächen genommen werden“.
Die Veröffentlichungen aus der Bürgermeistereichronik werden in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt.

Quelle: Chronik der Bürgermeisterei Vussem

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