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Aus der Chronik der Bürgermeisterei Vussem  (11. Fortsetzung)

von Albert Velser, Vussem

1837
„Der im Seminar gebildete bisher bei der Pfarrschule Holzheim fungierende Lehrer Johann Hack wird nach der Berufung dieser Schule und Gemeinderath unterm 28. März definitiv angestellt.
Michael Josef Zinken seit 1834 in der Gemeinde Harzheim Vikar, wird nach Conradsheim in gleicher Eigenschaft berufen, und folgt ihm im Februar 1838 Peter Josef Breme(r?) ebenfalls aus Münstereifel gebürtig im Amte. – Am 23. April 1837 war es empfindlich kalt. Die Knechte Anton Bohr und Peter Pünder zu Heistart hatten sich um ihre Schlafkammer zu wärmen eine Pfanne mit Glühkohlen aufgesetzt und das Zimmer verschlossen. Morgens fand man die beiden wie tot im Bette liegen. Bis zur Herbeiholung des Arztes wurden alle mögliche Rettungs Versuche gemacht und erst am spät Nachmittag gelang es sie in einem sich selbst bewusten Zustand zurück zu rufen. Der älteste starb nidersam am 3. Tage und der jüngere Peter Pünder verdankt seiner kräftigen Natur die Rettung vorm Tode. Der Bergsteiger Christian Steinbach zu Mechernich wurde am 9. Januar 1838 als er die obere Wand eines alten Ganges im Konzessionsfelde Günnersdorff &b. auf Sittard untersuchen wollte von einem plötzlich herabfallenden Stück Wand erdrückt. Jeder Rettungsversuch blieb unbelohnt.
Außer einer Zwillingsgeburt kamen bei den Geburten keine Merkwürdigkeiten vor. – Es bleibt aber jedweder Beziehung denkwürdig, daß dem Einwohner Josef Tillmann zu Breitenbenden zugehörige Schaf, welches am 21. Mai 1836 fünf Lämmer warf, im Jahr 1837 deren drei und am 23. Januar 1838 wieder zwei, alle vollständig ausgebildet und lebend gebar und dabei stets gesund bleibt. - Am 28.August 1837 starb zu Harzheim Maria Elisabeth Schmitz Witwe von Josef Strunk im 93. Lebensjahre ohne sonderliche Mängel und mit voller Geistesgegenwart und aller fünf Sinnen, nach ihr ist Peter Kramp von Mechernich, 86 Jahren alt der älteste der gestorbenen. Beide lebten sehr einfach waren nicht ganz dürftig.
Bei der Pfarrkirche zu Holzheim wurden zwei Singmessen, eine für die Familie Theodor Kreuser, die andere für Agnes Wachendorff von Holzheim, beide im Betrag von 25 Thaler gestiftet.
Im Februar 1837 erkrankten an der sogenannten Grippe in jedem Orte über hundert Menschen und übte auf den Verkehr eine Stockung aus. Die Erscheinung derer und Symptome  der Krankheit waren sehr verschiedenartig. Bald trat sie mit heftigem Husten bald mit Kopfschmerzen, Schwindel, Hitze oder Kälte auf, einige haben sogar Blutspeicher dabei gehabt und ohne ärztliche Hülfe mehrere Wochen gekränkelt, während andere in 4 – 8 Tagen der Krankheitsprozeß endigte. Erst nach dem alle an der Reihe gewesen und im Juni mehre alte Leute und Kinder mitgenommen verschwand die Krankheit wieder.
An der sogenannten Haukrankheit, einer nur am Bleiberg vorkommenden dem Rindvieh verderbliche Krankheit, krepierten im Verlaufe des Jahres zu Roggendorff sechs und zu Mechernich zwei Stück Rindvieh. - Die Verhandlungen über den Verkauf der Gemeinde Grundstücke vor Strempt an den Grafen zur Lippe liegen der Bestätigung nach vor. Der Bleibergbau ist das Jahr hindurch lebhaft betrieben worden und haben sich die Glasurerzpreise und der Absatz stets erhalten. Die Versendungen gingen meistens nach Franken, Schwaben, Elsaß, Holland und Belgien und ins nördlich Frankreich. Nach Blei war weniger Begehr und verminderten die Preise sehr. Die Eisenhütte, Neuhütte in Vussem stand wegen Mangel an Kohlen 3 Mon. außer Betrieb; die Eisen Schneidmühle bei Vussem welche sich gegen neuere Anlagen nicht zu messen im Stande ist, war nicht weniger beschäftigt. Die Eisenbahn Anlagen haben in dem Verkehr des Eisens einiges Leben gemacht.
Bis zum 5. April 1837 war die Witterung ziemlich gelinde und gut und jeder war gerüstet zur Feldarbeit. Mit diesem Tage begann eine Art Eisregen und am folgenden Morgen Schnee. Ohne aufzuhören schneite es Tag und Nacht fort, bis zum 8 ten, und war dadurch eine solche Masse Schnee gefallen wie seit Menschengedenken nie geschehen war. Bäume waren bis zur Erde von der Last niedergebeugt, viele gebrochen alle Komunikation war gänzlich abgeschnitten und man konnte weder zu Fuße noch zu Pferde weiter kommen, indem überall 3 Fuß hoch die Erde mit Schnee bedeckt war. Am 8 ten erhob sich Wind und wurde der Schnee an Hohlwegen an Graben Hecken und Gebäuden solche Massen zusammengetrieben die Anfangs Juni noch nicht ganz von der Sonne verzehrt war. Die Sommersaat bestellung unterblieb und alle Feldarbeiten ruhete wegen der durch den Schnee Abgang entstandenen allgemeinen Bewässerung bis spät im Mai und wurde bis gegen die Hälfte Juni erst beendigt. Die an Bergabhängen gelegene Ländereien übersättigt von Wasser wurden ihrer ganzen Dienstkraft beraubt. Die Fruchtwurzel entblößt und so war die Ernte an Stroh und Körner nur eine sehr geringe und 3 Wochen später als in gewöhnlichen Jahren. In der Nacht vom 26. auf den 27. September erfroren die Garten Gemüse fast überall Hafer, Bohnen Wicken grünten noch an vielen Stellen und am 1. November war vollständiger Winter wieder eingetreten welcher den Mangel an Lebensmittel noch erhöhte. Zu Ende des Monats November waren noch Sommerfrüchte auf dem Felde zu sehen und wenn sie allerdings auch nachlässigen Eigenthümer gehörten, so ist es doch nun seit dem Juli 1817 nicht gekannte Seltenheit“.


                                                    Heistart den 3.Oktober 1838


Quelle: Chronik der Bürgermeisterei Vussem

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