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Aus der Geschichte der Breitenbendener Mehlmühle

 

von Albert Velser Vussem

 

Zu den vielen Mühlen, die einst der Feybach antrieb, zählt auch die alte Mehlmühle in Breitenbenden. Die Mühle lag im ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen Diefenthal, heute Mießeler. Eine frühe Erwähnung der Mühle erfolgte bereits vor mehr als 500 Jahren.

Der Dechant und das Kapitel von St. Georg in Köln verpachteten im Jahr 1490 „ihr Haus und ihre Mühle mit all ihrer Gerechtigkeit und ihrem Zubehör, mit der steynen Brucken (Steinbrücke)  und Fahrt  an Hermann Moelner und seine Frau Grete für die Dauer von 90 Jahren mit der Maßgabe, das deren Erben den Pachtvertrag für eine gleichlange Dauer fortsetzen, berechtigt seien, wenn sie die ihnen im Pachtvertrag auferlegten Pflichten erfüllen“.  

In damaliger Zeit übte das Stift St. Georgen in Köln bereits die Grundherrschaft über die Orte Holzheim und Breitenbenden aus. Somit waren die Einwohner beider Dörfer auch angehalten, auf der Mühle des Grundherrn mahlen zu lassen, die wie auch anderorts von einem Pächter  betrieben wurde. Ob nun die Eheleute Moelner 1490 die ersten Pächter waren, kann nicht gesagt werden. Über die folgenden drei Jahrhunderte änderte sich an den Eigentumsverhältnissen nichts, was sicherlich in dieser Zeit wechselte, waren die Betreiber bzw. die Pächter. Der Einmarsch der Franzosen gegen Ende des 18.Jahrhunderts hatte große Umwälzungen zur Folge. Der französische Staat enteignete den Adel, die Kirchen und Klöster. Das angeeignete Gut wurde dann an Privatleute verkauft. Die Mühle in Breitenbenden erwarb der damalige Maire (Bürgermeister) und Hüttenmeister Carl Henseler von der Neuhütte in Vussem, um sie später an Kaspar Knödler aus Mechernich zu verkaufen. Als Müller hatte  Johannes Theodor Dauben, in erster Ehe mit Anna Maria Hack und in zweiter Ehe mit Anna Gertrud Klein verheiratet, wohl als Letzter einen Pachtvertrag mit dem Stift St. Georgen abgeschlossen. Von den Umwälzungen erlebte  Johannes Theodor Dauben wohl nur die Anfänge, denn er verstarb im Jahr 1796. Seine Witwe heiratete 1798 den Müller  Heinrich Pohl aus Lövenich, beide betrieben die Mühle in den nächsten Jahren weiter.

Beim Betrachten der Tranchotkarte, auf der viele Details dargestellt sind, verläuft der Mühlenbach (eine Abzweigung vom Veybach) rechts an dem Anwesen vorbei. Dies erklärt auch in der Erwähnung von 1490 den Hinweis „… und ihrem Zubehör, mit der steynen Brucken (Steinbrücke) und Fahrt“. Demnach musste von den Holzheimern und teilweise von den Breitenbendenern der Mühlenbach überquert werden, um zur  Mühle zu gelangen.

Nachdem Heinrich Pohl 1818 verstarb und Johannes Steffens von der Feyermühle in die Breitenbendener Mühle einheiratete, wurde er auch deren Müller. Er war der Sohn des Laurenz Steffens und der Sophie Holzheim. In dieser Zeit hatte die Mühle 2 oberschlächtige Wasserräder, 2 Mahlgänge und 3 Arbeiter. Im Jahr 1829  kam es bei der Mühle zu einem tragischen UnglücksfalI. Der zweijährige Sohn  des Müllers stürzte in den Mühlenteich und ertrank. Auf Johannes Steffens, der mit Margarethe Dauben (aus der Ehe (Dauben/Klein) verheiratet war, folgte deren Sohn Arnold Steffens. Beim Bau der Breitenbendener Kapelle hat er sich sehr verdient gemacht. Er war verheiratet mit Maria Josefa Schmitz. In der dritten Generation Steffens folgte nun deren Sohn Johannes Josef, der 1886 Gertrud Dillenburg, die Tochter des Vussemer Müllers heiratete. Nachdem Johannes Josef Steffens 1892 verstarb, heiratete seine Witwe den Johannes Lückerath aus Breitenbenden. Der letzte Müller der alten Breitenbendener  Mühle wurde Anfang der 30er Jahre Paul Diefenthal, der aus der Mühle in Groß Vernich stammte. Durch die Heirat mit Sophie Steffens (Tochter aus der Ehe Steffens/Dillenburg) übernahm er die Mühle sowie die anhängende Landwirtschaft. Gegen Mitte der 1930er Jahre erfolgte die Stilllegung und teilweise ein Abbruch der Mühle. Fortan betrieb Paul Diefenthal nur die Landwirtschaft. Nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1943 heiratet er in 2. Ehe die ehemalige polnische Zwangsarbeiterin Kazimiera Wozniak. Aus der Ehe stammen zwei Töchter. Kurze Zeit nach dem Tod des Paul Diefenthal im Jahr 1978 fand auch die Landwirtschaft ihr Ende.

Heute erinnert bei dem gepflegten Anwesen nichts mehr an die frühere Mühlenherrlichkeit.

 

Quellen: N. Leduc, Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv: 4. Jahrgang, Nr. 13

                Wolfgang Gründler, „Das katholische Kirchspiel Holzheim St. Lambertus 1692 -1805

                Preußisches Mühlenverzeichnis Kreis Gemünd bzw Schleiden,

 

                                                                                                                     Foto: Repro Albert Velser

 Ansicht der ehemaligen Breitenbendener  Mehlmühle mit dem früheren landwirtschaftlichen Anwesen   Glehn im Hintergrund.              

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