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Die Mühle „an Lichtert“

Aus der Geschichte einer wohl bislang unbekannten Mühle zwischen Vollem und Kallmuth

 

von Albert Velser, Vussem

 

In der alten Zeit waren die Einwohner unserer Dörfer gezwungen, in der Mühle des Grundherrn ihr Getreide mahlen zu lassen. Hatte der Grundherr allerdings keine Mühle, in dem ihm gehörenden örtlichen Bereich, so arrangierte er sich mit der Nachbarherrschaft. So waren z.B. die Vussemer gezwungen, bevor die örtliche Mühle 1604 errichtet wurde, außer Landes in Eiserfey mahlen zu lassen.

Bei Recherchen zur Lorbacher Ortsgeschichte stieß der Bearbeiter des vorliegenden Aufsatzes auf eine bislang unbekannte Mühle, in der die Lorbacher angewiesen wurden, mahlen zu lassen. Bei der Quelle handelt sich um ein Lorbacher Mühlenweistum. Der Mühlenstandort wird hierin mit „an Lichtert“ bezeichnet. Da eine Windmühle  ausgeschlossen werden konnte, war der Mühlenstandort zunächst nicht zu lokalisieren. Bei einem Gespräch mit dem Vollemer Müller teilte mir dieser mit, dass der Flurbereich, wo die St. Georgsprozession von Kallmuth aus hinzieht, um die hl. Messe zu feiern, mit an „Lichtert Mühle“ bezeichnet wird. Die Mühle lag also am Fuß des größtenteils zu Lorbach gehörenden Lichterberg. Somit war der Mühlenstandort gefunden.

Laut dem Mühlenweistum waren die Lorbacher also angehalten, in jener Zeit ihr Mahlgut in der Mühle „an Lichtert“ bearbeiten zu lassen. So erhält man zunächst den Eindruck, dass die Mühle nach Lorbach und somit zum Blankenheimer Grafschaftsbereich gehörte. Sollte dies der Fall gewesen sein, dann hätte der Grenzverlauf zwischen Lorbach und Kallmuth hier zwischenzeitlich eine Änderung erfahren. Es ist wohl davon auszugehen, dass es sich bei der Mühle um eine zu Kallmuth und somit zu Kurköln gehörende Einrichtung handelte.

In der Heimatliteratur ist dem Bearbeiter bisher kein Hinweis zum Betrieb einer dortigen Mühle bekannt. Neben dem besagten Lorbacher Mühlenweistum, der heute noch aktuellen Flurbezeichnung, finden sich auch Hinweise zur „Lichtert Mühle“ im Taufbuch der Pfarrei Weyer. Sowohl Kallmuth als auch Lorbach gehörten in früherer Zeit zur dortigen Pfarrei. Gemäß den Eintragungen kamen im Zeitraum von ca. 1620 - 30 auch Täuflinge sowie Paten von „Lichtert“ bzw. der „Lichtert Mühle“.

Ein Mühlenbetrieb stand und fiel sicherlich mit dem zur Verfügung stehen Mahlgut. Voraussetzung ist allerdings, dass eine zum Antrieb des Wasserrades hinreichende Wassermenge vorhanden ist. Es fällt aber bei den heutigen Gegebenheiten schwer, dies so einfach als selbstverständlich anzusehen, wie es an den Mühlen in Vollem und Eiserfey gegeben ist. Daher sei zu den Wasserverhältnissen hier folgendes kurz dargelegt:

Die „Lichtert Mühle“ lag im Kallmuther Quellgebiet. Das nutzten schon vor ca. 2000 Jahren die Römer mit dem Bau einer Wasserleitung. Die unweit oberhalb gelegene Quellfassung Klausbrunnen, im folgenden kurz Brunnenstube genannt, war nach dem heutigen Wissensstand zusammen mit den Quellfassungen Hausener Benden und der im Urfeyer Tal zunächst die südlichsten Kopfpunkte der nach Köln führenden Wasserleitung. In der Brunnenstube wurde das von der Hangseite eindringende Wasser gesammelt und dem Kanal zugeführt. Auf Grund des zunehmenden Wasserbedarfs erfolgte dann später ein Weiterbau der Wasserleitung bis zum Grünen Pütz im Urfttal.

So wie sich die Wasserverhältnisse an der Hangseite der Brunnenstube darboten, waren diese auch an der gegenüberliegenden Talseite. Von hier aus wurde auch Wasser dem Hauptkanal zugeführt. Ein Kanalstück, das in den Hauptkanal mündet, konnte hier freigelegt werden.

Nach dem Verfall des Römerkanals wurde wohl das weiter anstehende Wasser vom Kallmuther Bach dem Veybach zugeführt. Zuvor trieb es aber um ca. 1600, für  wie lange auch immer, das Wasserrad der „Lichtert Mühle“ an. Vielleicht war der Mühle, um Wasser speichern zu können, noch ein Teich vorgeschaltet.

Die erste moderne Wasserversorgung für den Ort Kallmuth erfolgte auch aus dem Kallmuther Quellgebiet heraus. Heute ist das ehemals wasserreiche Tal in Folge der bergbaulichen Tätigkeiten im früheren Bleibergwerk nahezu trockengelegt.

 

Quellen: Akte zu Lorbach, im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf         

                Waldemar Haberey, Die römisches Wasserleitung nach Köln

                Klaus Grewe / Manfred Knauf, Die lange Leitung der Römer

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