Heimat & Geschichtsverein

Besucherzähler

150223
TodayToday346

Suchen

Über 400 Jahre Eisengeschichte in Vussem

von Albert Velser,Vussem

Die Vussemer Eisenindustrie, von der Eisenhütte über eine Gießerei und dem Bau von Werkzeugmaschinen, ist recht gut erforscht und dokumentiert. Im Jahr 1722 erteilte der Blankenheimer Graf Franz Georg dem aus Gemünd kommenden Reidtmeister (Hüttenmeister) Diederich Rotscheid die Genehmigung eine neue Eisenhütte, die sogenannte Neuhütte in Vussem, zu errichten und zu betreiben. Über ca. 130 Jahre erfolgte hier die Verhüttung von Eisenerz und somit die Produktion von Eisen bzw. Stahl. In dieser Zeit ging der Werkname Neuhütte auf den Standort und die Flur über. Um Mitte der 1850er Jahre erfolgte eine Umstellung zu einer Gießerei, deren Produkte ab etwa 1900 auch mittels Bohren, Fräsen und Überdrehen mechanisch bearbeitet werden konnten. Ab etwa 1925 hatte das Unternehmen mit der Fertigung von Radialbohrmaschinen ein eigenes Produkt. Mit dem Übergang des Werkes Neuhütte im Jahr 1954 an die Maschinenfabrik O. Dörries A.G. wurden hier Karusselldrehmaschinen (Senkrechtdrehmaschinen) von Weltruf gefertigt. Nach Schließung der Neuhütte im Jahr 1989 wurde der Standort in „Industrie und Handwerkszentrum“ (IHZ) umbenannt, in dem weiterhin Unternehmungen mit der Eisenbearbeitung beschäftigt sind.
Bei Aufarbeitung der örtlichen Eisenindustrie war der Name Neuhütte immer ein Stein des Anstoßes, denn wenn, wie im vorliegenden Fall, die Rede von etwas Neuem (Neuhütte) ist, sollte vor dem schon etwas älteres existiert haben. So gab es z.B. im Nachbarort Eiserfey ein Alt- und ein Neuwerk und an der Ahr gibt es ein Altenahr und ein Neuenahr. So gibt es viele Beispiele mit Alt und Neu sowie auch mit Groß und Klein und Ober und Unter. Man könnte davon auszugehen, dass die Neuhütte in Vussem eine ältere Vorgängerhütte hatte.
Ein weiterer Hinweis für diese Annahme kann  einem Vussemer Zehntprotokoll aus dem Jahr 1696, also 26 Jahre vor Gründung der Neuhütte, entnommen werden. In diesem Schriftstück wird im Bereich der späteren Neuhütte bereits ein Hüttengarten erwähnt. Wenn nun von einem Hüttengarten die Rede ist, dürfte doch auch davon auszugehen sein, dass sich in dessen  Nähe eine Hütte befand oder aber befunden hat. Nach Intensivierung der weiteren Suche kam es, dass im Vussemer Weistum aus dem Jahr 1593 endlich ein weiterer eindeutiger Hinweis für eine ältere Vorgängerhütte gefunden wurde.
Im Zusammenhang mit einer Wegbeschreibung heißt es dort wie folgt: „……….hoicheit zue Voisheim am langen Benden, an der Eichen an, anderhalff roidt weit, die Gerhardts heck (noch heute eine bekannte Flurbezeichnung im Bereich der Neuhütte) langs die hudt (Hütt, Hütte) heraufs, dauon anderthalf roidt durch Voissemer dorff…..“. Ein schriftlicher Auszug aus dem Weistum der Sammlung Grimm sowie zwei weitere spätere Abschriften wurden drei Historikern zur Bewertung vorgelegt. Ihre einhellige Meinung ist, dass hier von einer älteren Vorgängerhütte die Rede ist.  Zeitliche Daten, wann und wie lange die Hütte in Betrieb war,  konnten bislang nicht gefunden werden. Es darf aber wohl mit Recht gesagt werden, dass die Vussemer Eisenindustrie mindestens 130 Jahre früher ihren Anfang nahm als bisher angenommen.

Quellen:    Vussemer Weistum 1593, aus der Sammlung von Grimm
        Manderscheid-Blankenheimer Akte im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf

Das Wetter in Vussem

Aktuell
- °C
-
-
Luftdruck: - hPa
Niederschlag: - mm
Windrichtung: -
Geschwindigkeit: - km/h
Morgen
-- °C
18.01.18
-- °C
19.01.18
-- °C
© Deutscher Wetterdienst | Wetter Ostsee